BRUSTWIRBELSÄULENSYNDROM
chronisches Brustwirbelsäulensyndrom
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Das Brustwirbelsäulensyndrom
ist ein Sammelbegriff für
Rückenschmerzen, die aufgrund degenerativer
(= abnutzungsbedingter)
Wirbelsäulenveränderungen oder statisch-muskulär bedingter Störungen von der
Brustwirbelsäule
ausgehen oder den Brustwirbelsäulenbereich betreffen.
Das Brustwirbelsäulensyndrom ist
nur mit etwa 2% an den degenerativen
Wirbelsäulenerkrankungen beteiligt. Dies
liegt daran, daß
sich die Foramina intervertebralia (= Zwischenwirbellöcher) anders als im Hals- und Lendenwirbelsäule nbereich nicht hinter den Bandscheiben, sondern auf Höhe der Wirbelkörper befinden und
die Brustw irbelsäule durch den Thorax (= Brustkorb) relativ gut gesichert und stabilisiert ist, so daß extreme Wirbelsäule nauslenkungen mit Beanspruchung der Bandscheibe n nicht so leicht zustande kommen und deshalb auch Bandscheibenvorfälle hier relativ selten sind.
Beim Brustwirbelsäulensyndrom dominieren als Schmerzursache reflektorische
(= von einem anderen erkrankten Organ ausgehende, reflexartige)
Störungen, hauptsächlich im
myofaszialen
(=
Muskeln
und deren Gewebsumhüllung
betreffenden)
System.
Nicht selten sind auch Interkostalner ven
(= Zwischenrippenner ven)
im Sinne einer
pseudoradikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen, die von einer scheinbar
gestörten
Nervenwurzel ausgehen) beteiligt (z.B.
Interkostalneuralgie). Eine radikuläre Symptomatik bzw. ein
radikuläres Syndrom
(= Krankheitszeichen, die von einer tatsächlich
gestörten Ner venwurzel ausgehen) kann leicht übersehen werden, da z.B. bei motorischen
(= die Muskelfunktion betreffenden)
Ausfällen kaum eine körperliche Beeinträchtigung eintritt, es sei denn, es sind
mehrere Interkostalner ven (=
Zwischenrippenner ven)
betroffen, was dann zu einer Störung der Lungenfunktion führen kann. Der
Schmerzcharakter im Bereich der Brustw irbel wird von den Patienten meist
mit dumpf und drückend angegeben. In der Regel ist die Mus kulatur neben der W irbelsäule verhärtet und druckschmerzhaft. Oft besteht auch
Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Wirbelkörper.
Relativ häufig
treten Beschwerden im Rahmen von Wachstumsstörungen auf (z.B.
Morbus Scheuermann,
Skoliose), begünstigt durch die damit verbundene
Fehlhaltung.
Das Brustwirbelsäulensyndrom
kann auch Folge von zusammengebrochenen Wirbeln
aufgrund einer
Osteoporose sein. Nicht selten stellt sich ein
Brustwirbelsäulensyndrom
auch nach einem unfallbedingten Wirbelbruch ein.
Ein viszeraler (= die Eingewei de betreffende)
Übertragungsschmerz
(Referred
Pain)
ist stets in die
differentialdiagnostischen Erwägungen
(= Überlegungen, welche Krankheiten sonst noch noch in Frage kommen können)
mit einzubeziehen. Störungen bzw. Krankheiten von Herz und Bauchspeicheldrüse
führen oft zu Beschwerden zwischen den
Schulter
blättern. Auch Erkrankungen der
Speiseröhre, Pleura (= Brustfell)
und Fehlbildungen der Brustaorta
(= Brustschlagader)
können zu Beschwerden in der BW S-Region führen und ein
Brustwirbelsäulensyndrom
vortäuschen.
Medikamentöse
Schmerzbehandlung:
Akut und
subakut können
zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(=
Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B.
Mobec®.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B.
Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzzustände
nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®) (= im Gehirn bzw.
Rückenmark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch beim Brustwirbelsäulensyndrom
(chronisches) eine
längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit
vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva (= Mittel gegen
Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen
hilfreich)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika):
Bei anhaltenden
Rückenschmerzen im Bereich
der
Brustwirbelsäule sollten rechtzeitig
alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne
jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie
mit einem lang wirkenden örtlichen
Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in
Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.
Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem
örtlichen Betäubungsmittel):
Die einfachste diesbezügliche
Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die
W
irbelsäule angrenzenden
Mus
kulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca.
5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die
gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der
Muskulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Periphere temporäre Ner
venblockaden (= mehr
oberflächliche, zeitlich begrenzte Ner
venbetäubungen):
Periphere
(= oberflächliche) Schmerzprojektionen entlang der Interkostalnerven
(= Zwischenrippenner
ven)
sprechen gut auf wiederholte
Interkostalblockaden
mit einem örtlichen
Betäubungsmittel an. In hartnäckigen Fällen kann die Blockadefrequenz durch
Implantation eines Katheters (* siehe unten) erhöht werden.
Rückenmarknahe Blockaden:
Eine peridurale Blockade (=
rückenmarknahe Betäubung) bedarf beim Brustwirbelsäulensyndrom einer sehr strengen
Indikationsstellung (= Abwägung von
Nutzen und Risiko),
weil das therapeutische Risiko ungleich höher anzusetzen ist. Eine indirekte,
peridurale Blockade im Bereich der Brustw irbelsäule
läßt sich mit geringerem Risiko
mittels der lumbalen (= den
Lendenbereich betreffenden) Periduralblockade erzielen, in dem das verabreichte Volumen so erhöht
wird, daß die Segmente der
Brust
w irbelsäule erreicht werden. Bei Anwendung der
Kathetertechnik* kann die Blockadefrequenz beträchtlich gesteigert
werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel kann eine rückenmarknahe
Blockade auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden,
allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus
anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
Bei sehr schweren und sonst kaum
behandelbaren Schmerzen kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden
auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut eingepflanzt werden. Das
Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die
Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend physiotherapeutische Behandlungen (= Krankengymnastik und Anwendungen) möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert und damit verschiedenen Schmerzursachen entgegenwirkt. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Schmerz gedächtnis zu löschen.
Physikalische Therapie:
Auch eine Elektrostimulation kann beim Brustwirbelsäulensyndrom eine
Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich
die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig
neben der W irbelsäule im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der
Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Wir verordnen TENS grundsätzlich nur leihweise für 6 Monate, da erfahrungsgemäß
die Wirkung nach längerer Anwendung nachläßt.
Die elektrische epidurale
Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge Patientenauswahl. Eine weitere
physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie
im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen
Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einem Brustwirbelsäulensyndrom
(gilt auch für andere
Rückenschmerzen) empfinden allerdings lokale
Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können
ebenfalls einen
Kreuzschmerz lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch beim Brustwirbelsäulensyndrom
nicht
sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter
schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber
die heilgymnastische Therapie, da meist nur
diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und
längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die
Muskeln neben der W irbelsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente
Mus kulatur
eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chi rotherapie)
durchaus gute Erfolge aufzuweisen.
Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnützung hervorgerufenen) Veränderungen der W irbelsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung
empfohlen (Thomalske 1991).
Eine Magnetfeldtherapie soll ebenfalls schmerzlindernd wirken.
Andere
Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur
nicht
unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen
Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle
Ergotherapie bzw.
Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, dass die
betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus kulatur erlernen.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde)
Verfahren wie
autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind auch bei
BWS-Schmerzen eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer
muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer
Signale).
Psychotherapeutische Interventionen
können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und
Schmerzen verstärken können.
Bei einem längerfristig bestehenden Schmerzen ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Aktualisiert: 13.08.2006
k u
A
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anhaltende somatoforme Schmerzstörung,
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B
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Verkrümmung der Wirbelsäule, Vulvodynie
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(www.wirbelsaeulenverkruemmung.de)
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Zeckenborreliose (www.zeckenborreliose.de),
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Zehenentzündung, chronisches
Zervikal-Syndrom,
Zervikobrachialsyndrom,
Zervikogener Kopfschmerz,
Zervikozephalgie,
Zosterneuralgie (www.brennschmerzen.de/zosterneuralgie),
Zosterschmerz
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